Turkogräber

 

Turkogräber

Turkogräber im Bienwald

Es waren aufregende Tage für die Südpfalz damals vor ca. 140 Jahren im Juli 1870. Die politische Lage zwischen Frankreich und Preußen spitzte sich zu, ein Krieg wurde immer wahrscheinlicher. Vordergründig ging es dabei nur um die Frage, ob ein deutscher Fürst König von Spanien werden sollte, so wie es das spanische Parlament wünschte. Frankreich sah durch die Thronkandidatur des Hohenzollernprinzen Fürst Leopold das europäische Gleichgewicht gestört und seine Interessen und Ehre gefährdet, wie es ein Minister Napoleons III. ausdrückte. Die Emser Depesche - ein Telegramm – des Geheimrats Abeken aus Bad Ems vom 13.07.1870 wurde von Bismarck am 14.07.1870 in gekürzter, den Wortlaut nicht veränderter Fassung veröffentlicht. Die Kürzung stellte keine Fälschung dar, jedoch durch Verschiebung der Akzente eine Verschärfung der königlichen Ablehnung (König Wilhelm) der Forderungen Napoleons III. Die französische Erregung löste am 19. Juli die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen aus. Sehr zur Überraschung der französischen Regierung erklärten sich die süddeutschen Staaten mit Preußen solidarisch. Von der Pfalz aus stießen drei deutsche Armeen unter Führung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm westwärts. Der Aufmarsch wurde durch die Maximiliansbahn Neustadt – Weißenburg beschleunigt. Am 4. Aug. kam es bei Weißenburg zur ersten großen Schlacht des Krieges. Im Bienwald bei Schaidt erinnern noch heute die „Turkogräber“ an die ersten Kriegstage des Deutsch – Französischen Krieges von 1870/71. Die Turkos waren Angehörige von Kolonialtruppen aus Nordafrika, die von den Franzosen in diesem Krieg eingesetzt wurden. Fünf von ihnen erlagen in Schaidt ihren schweren Verwundungen. Da sie keine Christen waren, wurden sie nicht auf dem Friedhof, sondern im nahen Bienwald beigesetzt.

1. Ali Buamed, + 30.Aug. 1870, 20 Jahre alt, Soldat beim franz. 10. Turkos-Reg., aus Oran Afrika
2. Bodajib Abdhermann, + 20. Sept. 1870, 19 Jahre alt, Soldat beim Turkos-Reg., aus Oran Afrika.

Drei weitere Turko - Soldaten, die auf dem Transport zum Bahnhof Schaidt verstorben sind, wurden auch hier beerdigt. Ihre Personalien konnten leider nicht ermittelt werden. Noch heute pflegt der Pfälzerwald -Verein Schaidt diese Gedenkstätte.

Rennofen, Köhlermeiler?

Etwa 20 m westlich der Tukogräber und an anderen Stellen in der Nähe sind Abraumhalden, von weit über Tausend Kubikmeter, bestehend aus geschmolzener Schlacke, gebranntem Lehm, Holzkohlen und Asche sowie Kalksteine. Anhand dieser Spuren ist es sehr wahrscheinlich, dass hier Rennöfen zur Eisengewinnung betrieben, sowie die dazu erforderliche Holzkohle produziert wurde. Die hier zu erforderlichen Rohstoffe, Raseneisenerz und Holz, waren im Bienwald in ausreichender Menge vorhanden (siehe Seite 44). Das Alter dieser Spuren ist noch nicht bekannt. Rennöfen dienten in Mitteleuropa von 500 v. Chr. bis 1700 n. Chr. zur Eisenherstellung. Er wurde in einer knietiefen Grube mit Lehm geformt und aufgebaut. Nachdem der Lehmmantel trocken war, wurde er schichtweise mit Holzkohle und Eisenerz beschickt. Durch den Einsatz von Blasebälgen erreichte man im Ofen eine Temperatur von etwa 1100 Grad, wobei die Fremdstoffe im Erz schmolzen und das Eisen als Eisenschwamm zusammen backte. Nach Abschluss des Brennvorgangs wurde seitlich des Ofens eine Grube ausgehoben und die Ofenwand eingeschlagen, so dass die flüssige Schlacke heraus rinnen konnte. Um an das Eisen zu kommen, wurde der Lehmofen umgestoßen und zerstört. Der gewonnene Eisenklumpen musste nun mehrfach unter hoher Hitze geschmiedet werden, um aus ihm Schmiedeeisen zu machen.

 

 

 

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